Intimität Selbstliebe

Tanz der Vergänglichkeit

Ich freue mich, dass ich die Blogparade des Totenhemdblogs zum vierten oder gar fünften Mal eröffnen darf! Dieses Mal gemeinsam mit Luis Ramirez, einem besonderen Freund, Künstler und Aktzeichner aus Mexiko.

„Für die Menschen in Deutschland ist der Tod etwas unsagbar Schweres. Sie verbinden so viel Traurigkeit mit dem Thema, so viel Schwere, dass sie sich verschließen für andere Wahrnehmungen und Sichtweisen.“

Luis Ramirez

In Mexiko ist der Totentag, der Dia de Los Muertos ein Tag des Feierns.

Dem Brauch nach kommen die verstorbenen Seelen in der Nacht vor dem ersten November zurück in die Welt der Lebenden und feiern mit ihren Familien. Was anfangs aus deutscher Sicht skurril erscheint, ist ein besonderes spirituelles Erlebnis voller Wärme, Hoffnung und Schönheit.

Ja und es darf gelacht werden, getanzt, gegessen und gefeiert.

Heute ist es mir eine besondere Ehre, nicht nur die mexikanische Sichtweise des Totentags zur Blogparade beizutragen, sondern gemeinsam mit Luis Ramirez und seiner Kunst eine ganz neue Tür zu öffnen, für Gedanken die weit über unsere deutsche Vorstellung vom Tod hinausgehen.

Über den Körper, den weiblichen Körper, die Vergänglichkeit und deren Schönheit.

Aquarell von Luis Ramirez

Ich schaue sie an, die beiden Tänzerinnen, die beiden Frauen zwischen den Welten.

Ich versuche sie zu spüren, zu verstehen, was sie mir mit Tanz der Vergänglichkeit geben möchten.

Ich sehe so vieles und dennoch fehlen mir die Worte.

Ein Moment der Scham kommt auf.

Wie kann ich voll und leer zugleich sein?

Wenn ich an das Vergängliche denke, macht es mich traurig.

Ich weine. Spüre den Verlust.

Den Verlust einer Liebe, den Verlust einer Hoffnung, eines Traums.

Doch diese beiden Frauen zeigen mir, dass die Vergänglichkeit ein Geschenk ist.

Sie tanzen, lehnen sich zurück in die Vergangenheit und deuten nach vorne.

Es gibt sie, die Zukunft.

Das was war und das was sein wird vereinen sie im Tanz.

Es ist der Tanz der Vergänglichkeit.

Es ist der Tanz des Lebens.

Es ist die Vergänglichkeit, die uns zu dem macht, wer wir sind.

Ohne sie könnten sich unsere Seelen nicht entfalten.

Ich spüre in ihr den Verlust,

Doch was passiert, wenn ich es wage zu tanzen?

Wenn ich es wage, das Schöne darin zu sehen und zu spüren?

Es ist die Nacht, in der sich die Welten vereinen.

Was ist, wenn ich die Welten heute in mir vereine?

Das Vergangene, das Jetzt und die Zukunft?

Alles zugleich spüre, atme und in mir bewege?

Es ist die Nacht, in der unsere Seele weder Zeit noch Raum kennt,

Vielleicht ist es die Nacht in der ich meine Seele tanzen lassen sollte?

Sein sollte zwischen den Welten.

Es ist die Vergänglichkeit, die uns zu dem macht wer wir sind:

Mädchen, Heranwachsende, Frau, Greis … Tänzerin zwischen den Welten.

Heute dürfen wir alles spüren:

wer wir waren, wer wir sind und wer wir sein werden.

Damals, heute, jetzt und irgendwann.

Und ja ich spüre es, das Schöne im Vergänglichen.


Ein besonderer Dank an Luis Ramirez. Danke Luis, dass du es mit deiner Kunst ohne viele Worte wieder einen besonderen intimen Moment erschaffen hast. Danke dir Luis!

Mehr von seiner Kunst hier bei Instagram

4 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Liebe Katja, ich freue mich über deinen Start am heutigen Tag, dem Dia de los muertos … deinen berührenden Text und dass du uns Kunst von Luis Ramirez schenkst … grüße ihn herzlich. Wir sind heute mit euch … in Gedanken bei all dem, was du geschrieben hast.

    Danke! Herzlich. Petra

  2. Wunderschön geschrieben, zu diesem farbenfrohen, tiefsinnigen Bild, in dem ich mich verlieren kann.
    „Es ist die Nacht, in der sich die Welten vereinen.
    Was ist, wenn ich die Welten heute in mir vereine?….“
    Ja, da ist ein ständiger Wunsch in mir, ein Üben, ein mich einlassen, ein nicht nur in einer Nacht mit den Lieben im Jenseits verbunden zu sein, sondern unablässig.
    Zumindest gelingt mir die liebevolle Sicht auf den irdischen Tod, der für mich ein Weiterleben in einer anderen Dimension ist, nicht weiter entfernt als der Atem des Liebsten im Herbstwald neben mir. Still und dabei das trockene Laub raschelnd unter den Füßen, die weiche Wolke des Atems neben mir spüren.
    Manchmal jedoch sind sie näher als nah, die aus der anderen Dimension im Jenseits.

    1. Manchmal sind sie nah, näher aus anderen Dimensionen. Danke dir liebe Padma für deine Gedanken und die Erinnerung an die liebevolle Sicht auf den irdischen Tod.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.